Neubewertung von Cannabis im März 2020?​

Neubewertung von Cannabis im März 2020?

Im Jahr 1961 ordnete ein UN-Abkommen Cannabis ohne jegliche wissenschaftliche Grundlage in die gleiche Liste von Gift- und Suchtstoffen wie Heroin und Kokain ein.

Dies war vielfach die Grundlage für staatliche Verfolgung von Konsumenten und Händlern – sowie deren Gleichbehandlung mit den Dealern der genannten gefährlichen Suchtmittel. 57 Jahre, Millionen von Vorstrafen und mit derartigen „Delinquenten“ gefüllte Gefängnisse später, scheint nun eine grundsätzliche Neubewertung von Cannabis in Reichweite zu sein.

CBD

Das Expertenkomitee zur Drogenabhängigkeit ECDD (Expert Committee on Drug Dependence) der WHO stellte bei seinem 40. Treffen fest, dass das im Cannabis enthaltene Cannabidiol (CBD) immer häufiger für medizinische Therapien eingesetzt werde. Selbst die WHO findet keine Nachweise dafür, dass der Konsum von purem CBD süchtig mache oder gesundheitsschädlich sei. Ganz im Gegenteil: CBD wird immer häufiger und mit großem Erfolg bei der Behandlung von Epilepsie, aber auch Migräne und sonstiger Schmerzen eingesetzt.
Auf dieser Grundlage empfiehlt das ECDD, die Substanz CBD ersatzlos aus der Liste des UN-Abkommens von 1961 zu streichen.

THC

Hier liegen medizinische Forschungsergebnisse vor, die die Wirksamkeit von THC bei der Behandlung von chronischen Schmerzen, Schlafstörungen und Multipler Sklerose unterstreichen.

In Summe wertet die WHO, dass keine Daten vorliegen, welche die Existenz von Cannabis in der Liste des UN-Abkommens rechtfertigen würden. Das ECDD empfiehlt auch hier, diese Einordnung kritisch zu hinterfragen.

Konsequent wäre, im Falle einer Streichung der Konventionen von 1961 durch die Uno, Cannabis sofort beim nächsten Treffen in Wien – 63. UN-Kommission für Betäubungsmittel (CND) 2. bis 6. März 2020 – freizugeben. Damit würde die weltweite Legalisierung ein großes Stück näher rücken. 

Siehe auch

63. Session of the Commission on Narcotic Drugs (Programm)

WHO Expert Committee on Drug Dependence (ECDD); WHO Cannabidiol; WHO Cannabis

trafikantenzeitung.at

HIGH. Das positive Potential von Marihuana

Ein besonderes Geschenk für Hanf-Liebhaber!

HIGH.

Das positive Potential von Marihuana

Sebastián Marincolo

Mit einem Vorwort von Lester Grinspoon

Der promovierte Philosoph Sebastián Marincolo spezialisierte sich im Studium auf die Kognitionsforschung sowie auf die analytische Philosophie des Bewusstseins. Mit dem amerikanischen Marihuana-Experten Professor Lester Grinspoon forschte er über das bewusstseinserweiternde Potential Marihuanas. Aus der 2010 erschienenen Studie High. Insights in Marijuana entstand das vorliegende Buch.

So stellt Marincolo die Frage wie man einen veränderten Bewusstseinszustand wie das Marihuana-High erforscht und inwieweit Marihuana als Werkzeug zur Verbesserung der Sinneswahrnehmung – der Synästhesie – dient.

Kann ein High zu Selbsterkenntnis und empathischem Verstehen führen? Zu kreativen Ideen und wertvollen Einsichten verhelfen? Gar vorübergehend das episodische Gedächtnis verbessern und die Fähigkeit, Muster zu erkennen?

Schriftsteller wie Jack London, William Butler Yeats oder Charles Baudelaire nutzten Marihuana als Quelle der Inspiration, ebenso Musiker wie Louis Armstrong, Bob Dylan oder die Beatles. Auch Wissenschaftlern wie Carl Sagan verhalf Marihuana zu tiefgreifenden Einsichten.

In seinen neurowissenschaftlich inspirierten Essays liefert Marincolo hierzu neue Erklärungsansätze.

Im letzten Kapitel beschäftigt sich Marincolo mit dem Albtraum Prohibition und warum die weltweite Prohibition von Marihuana enden muss. Dies war im Jahre 2013. Inzwischen hat sich die Situation in vielen Ländern verändert. So auch in Amerika, wo die Prohibition mit Harry J. Anslinger in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts begann.

Wie Marincolo prophezeite lässt die aktuelle Entwicklung erkennen:

„Die Legalisierung von Marihuana ist kein gefährliches Experiment.“

Ganzseitige Makroaufnahmen der Hanfpflanze, fotografiert vom Autor mit „Deep-Focus-Fusion“-Technologie, ergänzen brilliant die ungewohnte Perspektive auf das positive, bewusstseinsverändernde Potential von Marihuana.

Ein sehr ansprechendes, schön gestaltetes, reich bebildertes Buch und auf Cannabispapier – Cannabis Melange und LuxoArt Samt – gedruckt.

Erscheinungsjahr: 2013
ISBN: 978-3-608-50323-4
160 Seiten, Format 16,5×23,5 cm, Broschur

Erhältlich bei UDOPEA, als E-Book bei Klett-Cotta

Die Wirkung der Cannabinoide und anderer Cannabis-Inhaltsstoffe

Die Wirkung der Cannabinoide und anderer Cannabis-Inhaltsstoffe

von Dr. med. Franjo Grotenhermen und Markus Göttsche
Letztes Update: 15. Mai 2019

[…] Die Wirkung und Verträglichkeit von Cannabis hängt vor allem von den Cannabinoiden ab. Eine weitere nicht unwichtige Rolle spielen hier auch die enthaltenen ätherischen Öle und Terpene. Bei den Cannabinoiden dominieren die Wirkungen von THC und CBD. Andere Cannabinoide beeinflussen jedoch den Gesamteffekt.

4.1 Die chemische Zusammensetzung von Cannabis

In unterschiedlichen Cannabissorten wurden in den vergangenen 50 Jahren etwa 600 chemische Verbindungen nachgewiesen, darunter neben den Cannabinoiden Substanzen anderer Stoffgruppen, wie Aminosäuren, Proteine, Zucker, Alkohole, Fettsäuren, Terpene und Flavonoide. Die meisten Cannabis-Bestandteile außer den Cannabinoiden kommen auch in anderen Organismen vor.

Es gibt aber auch Bestandteile anderer Pflanzen, die Cannabinoidrezeptoren aktivieren, wie beispielsweise der häufig vorkommende CB2-Rezeptor-Agonist (−)-β-Caryophyllen. Heute sind insbesondere durch eine Arbeitsgruppe von Wissenschaftlern an der Universität von Mississippi insgesamt 120 Cannabinoide nachgewiesen worden.

Wenn von THC die Rede ist, ist im Allgemeinen das in der Pflanze natürlich vorkommende (–)-trans-Isomer des Δ9-THC gemeint. Es wird auch Dronabinol genannt. THC ist unter anderem für die cannabis-typischen berauschenden Wirkungen von Cannabis verantwortlich, für das Hochgefühl („High“). Cannabidiol (CBD) ist das häufigste Cannabinoid im Faserhanf und in Drogenhanf-Sorten oft das zweithäufigste Cannabinoid nach THC. CBD verursacht keine cannabis-typischen psychoaktiven Wirkungen. Es besitzt unter anderem antiepileptische, angstlösende, antipsychotische und entzündungshemmende Eigenschaften.

4.2 Die Wirkungen von THC (Dronabinol)

Die Wirkungen sind zum Teil abhängig von der Dosis, der Person und von der Verfassung der Person. THC wirkt nicht auf jeden Menschen und nicht in jeder Situation gleich. So kann es in manchen Fällen Angst auslösen, aber auch Angst lindern. Es hilft oft sehr gut gegen Übelkeit und Erbrechen, aber einigen wenigen Menschen wird auch übel, wenn sie Cannabis einnehmen.

  • Psyche und Wahrnehmung: Sedierung, leichte Euphorie, gesteigertes Wohlbefinden,Angst Zunahme, Angsthemmung, Intensivierung der sinnlichen Wahrnehmung, Veränderung des Zeitgefühls (die Zeit scheint langsamer zu vergehen), Halluzinationen (nach hohen Dosen).
  • Denken: Störung des Gedächtnisses und der Aufmerksamkeit, assoziatives Denken,gesteigerte Kreativität. Bei Personen mit einer Aufmerksamkeitsstörung und Hyperaktivität (ADHS) kann THC die Konzentrationsfähigkeit verbessern.
  • Bewegung: Verwaschene Sprache, Verschlechterung der Bewegungskoordination,Verbesserung der Bewegungskoordination.
  • Nervensystem: Schmerzlinderung, Muskelentspannung, Appetitsteigerung, Übelkeit,Verminderung von Übelkeit und Erbrechen.
  • Körpertemperatur: Senkung der Körpertemperatur, Fiebersenkung.
  • Herzkreislaufsystem: Zunahme der Herzfrequenz, Erweiterung der Blutgefäße,Blutdruckabfall und eventuell Schwindelgefühl bei plötzlichem Aufstehen, leichtzunehmender Blutdruck im Liegen, Hemmung des Zusammenklebens der Blutplättchen.
  • Auge: Rötung der Augenbindehaut, Abnahme des Tränenflusses, Senkung desAugeninnendrucks.
  • Atemwege: Bronchien-Erweiterung, verminderte Speichelproduktion und Mundtrockenheit.
  • Magendarmtrakt: Verminderung der Darmbewegungen und verzögerte Entleerung des Magens, Hemmung der Magensäureproduktion.
  • Hormonsystem: Eventuell bei hohen Dosen Beeinflussung verschiedener Hormone.
  • Immunsystem: Entzündungshemmung, antiallergische Wirkung, Hemmung derImmunantwort.
  • Entwicklung von Embryo und Fetus: Eventuell Beeinträchtigung der geistigen Leistungsfähigkeit.
  • Genetisches Material und Krebs: Krebshemmende Wirkung, Förderung des programmierten Zelltods von Krebszellen (Apoptose), Hemmung der Blutgefäßneubildung in bösartigen Tumoren.

Einsatzmöglichkeiten für THC-reiches Cannabis und THC ergeben sich für folgende Krankheiten und Krankheitssymptome:

  • Übelkeit und Erbrechen: Krebs/Chemotherapie, HIV/AIDS, Hepatitis C, Schwangerschaftserbrechen, Übelkeit im Rahmen der Migräne.
  • Appetitlosigkeit und Abmagerung: HIV/Aids, fortgeschrittene Krebserkrankung, Hepatitis C.
  • Spastik, Muskelkrämpfe (Spasmen), Muskelverhärtung: Multiple Sklerose,Querschnittslähmung, Spastik nach Schlaganfall, Spannungskopfschmerz,Bandscheibenprobleme und Verspannungen der Rückenmuskulatur, Bewegungsstörungen mit einem Übermaß an Bewegungen (hyperkinetischeBewegungsstörungen): Tourette-Syndrom, Dystonie (zum Beispiel spastischer Schiefhals oder Lidkrampf), durch eine Behandlung mit Levodopa ausgelöste Dyskinesien bei der Parkinson-Krankheit, tardive Dyskinesien (eine mögliche Nebenwirkung von Neuroleptika, die bei Schizophrenie verwendet werden), essenzieller Tremor (Zittern).
  • Schmerzen: Migräne, Cluster-Kopfschmerz, Phantomschmerzen, Neuralgien (Nervenschmerzen, zum Beispiel Ischialgie/Ischiasschmerzen), Menstruationsbeschwerden, Parästhesien (Kribbeln, Brennen, Ameisenlaufen) bei Zuckerkrankheit oder Aids, Hyperalgesie (verstärkte Schmerzempfindlichkeit), Schmerzen bei verspannter Muskulatur, Muskelkrämpfen, Arthrose, Arthritis, Colitis ulcerosa (eine chronische Darmentzündung), Restless-Legs-Syndrom (Syndrom der unruhigen Beine), Fibromyalgie (Weichteilrheumatismus).
  • Allergien: Asthma, Hausstauballergie, Heuschnupfen.
  • Juckreiz: starker Juckreiz bei Lebererkrankungen, Neurodermitis.
  • Entzündungen: Asthma, Arthritis, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn (eine chronischeDarmentzündung), Neurodermitis, Morbus Bechterew, Psoriasis (Schuppenflechte).
  • Psychische Erkrankungen: Depressionen, Angststörungen, bipolare Störungen (manisch-depressive Störung), posttraumatische Stressstörung, Hyperaktivität, ADS (Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom) bzw. ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom), Impotenz, Alkoholismus, Opiatabhängigkeit, Schlafmittelabhängigkeit, Schlaflosigkeit, Autismus, verwirrtes Verhalten bei der Alzheimer-Krankheit.
  • Überproduktion von Magensäure: Magenschleimhautentzündung.
  • Erhöhter Augeninnendruck: Glaukom (Grüner Star).
  • Hören: Tinnitus (Ohrgeräusche).
  • Weitung der Bronchien: Asthma, Luftnot bei anderen Erkrankungen der Atemwege.
  • Epilepsie
  • Singultus (Schluckauf)
  • Förderung der Wehentätigkeit bei der Geburt
  • Überproduktion von Schweiß: Hyperhidrosis
  • Krebshemmung: Krebserkrankungen
  • Hauterkrankungen: Neurodermitis, Psoriasis (Schuppenflechte), Akne inversa
  • Reizdarm

4.3 Die Wirkungen von Cannabidiol (CBD)

Cannabidiol ist das häufigste Cannabinoid im Faserhanf und in Drogenhanf-Sorten oft das zweithäufigste Cannabinoid nach THC. Es ist auch in einigen in Apotheken erhältlichen Cannabissorten mit hohen Konzentrationen vertreten. CBD verursacht keine Cannabis- typischen psychischen Wirkungen.

Für Cannabidiol kommen unter anderem folgende medizinische Einsatzgebiete in Frage:

  • Epilepsie: insbesondere bestimmte Formen der Epilepsie, wie Dravet-Syndrom und Lennox-Gastaut-Syndrom
  • Angststörungen
  • Depressionen
  • Schizophrene Psychosen
  • Entzündungen und entzündlich bedingte Schmerzen
  • Bewegungsstörungen: Dystonie, Dyskinesie
  • Abhängigkeit von THC, Nikotin und Opiaten
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Hemmung des Appetits

Daneben gibt es Hinweise auf weitere mögliche Einsatzgebiete, wie z. B. auch bei Kindern und Erwachsenen mit Autismus. Bislang sind diese kaum erforscht und es liegen nur Ergebnisse aus der Grundlagenforschung oder Berichte einzelner Patienten vor, wie beispielsweise hinsichtlich der krebshemmenden Eigenschaften des CBD. […]

Quelle: Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin

Cannabissorten in Deutschland und ihre Inhaltsstoffe

Cannabissorten in Deutschland und ihre Inhaltsstoffe

von Dr. med. Franjo Grotenhermen und Markus Göttsche
Letztes Update: 15. Mai 2019

  1. Grundsätzliche Vorbemerkungen

Diese Informationen sollen Ihnen helfen, die richtige Sorte für Ihre Erkrankung und Ihre Beschwerden auszuwählen. Es gibt keine Sorten, die für eine bestimmte Erkrankung am besten sind, denn die Ansprechbarkeit variiert stark. So gibt es beispielsweise chronische Schmerzen, bei denen fast nur das THC wirksam ist, während bei anderen Patienten auch ein hoher CBD-Anteil hilft, weil CBD entzündungshemmend wirkt. Bei einer ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) profitieren einige Patienten von THC-reichen Sorten, während andere auch sehr gut von der Angst lösenden Wirkungen des CBD profitieren. Cannabissorten mit einem hohen Sativa-Anteil wirken eher belebend, während solche mit hohen Indica-Anteilen eher sedierend wirken. Auch das kann für die Wahl der geeigneten Sorte von Bedeutung sein. Häufig muss man eine Weile mit verschiedenen Sorten experimentieren, um schließlich die individuell beste Sorte für sich zu finden. Manchmal ist es auch eine Kombination aus einer bestimmten Sorte, die tagsüber eingenommen wird, und einer anderen, die zur Nacht verwendet wird.

  1. Cannabissorten und ihre THC- und CBD-Gehalte

Importeure medizinischer Cannabissorten nach Deutschland sind Fagron, Spektrum Cannabis, Pedanios, Pohl Boskamp, Cannamedical, ACA Müller ADAG Pharma, GECA Pharma und Paesel & Lorei GmbH & Co. KG. Die einzelnen Sorten werden als Blüten in 5-, 10-Gramm-Dosen oder 15 Gramm Beutel abgegeben, wobei „granuliert“ bereits zerkleinert bedeutet. Es sind zurzeit noch nicht alle unten aufgeführten für Deutschland zugelassenen Sorten über die Apotheken verfügbar (Stand: 20.02.2019).

Die Bundesregierung hat im Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte 2017 eine Cannabis-Agentur eingerichtet. Diese soll einen staatlich kontrollierten Cannabis-Anbau für die medizinische Verwendung überwachen. Es ist nicht damit zu rechnen, dass vor 2020 Cannabisblüten aus Deutschland auf den Markt kommen. Daher sind deutsche Patienten auf den Import von Cannabisblüten angewiesen. Die Cannabissorten des niederländischen Herstellers Bedrocan werden unter anderem von den Unternehmen Fagron, ACA Müller ADAG Pharma, GECA Pharma und Pedanios sowie Cannamedical Pharma nach Deutschland importiert.

Die in den folgenden Tabellen angegebenen Werte sind Angaben der Importeure bzw. Hersteller, die durch eine Apotheke eingeholt wurden.

Cannabisblüten von Bedrocan

Tabelle 1. THC-/CBD-Gehalte der Cannabisblüten des niederländischen Herstellers Bedrocan

Sorte

Gehalt THC

Gehalt CBD

Bedrocan

23,5 %

0,1 %

Bedrobinol

15,3 %

0,1 %

Bedica, granuliert

16,5 %

0,1 %

Bediol, granuliert

6,7 %

8,7 %

Bedrolite granuliert

0,4 %

8,1 %

Cannabisblüten des kanadischen Herstellers Tweed werden von Spektrum Cannabis importiert

Tabelle 2. THC-/CBD-Gehalte der Cannabisblüten des kanadischen Herstellers Tweed

Sorte

Gehalt THC

Gehalt CBD

Bakerstreet (Indica)

18,4 %

0,5 %

Penelope (Hybrid)

9,5 %

6,9 %

Argyle (Indica)

5,1 %

5,4 %

Cannabisblüten von Spektrum Cannabis

Tabelle 3. THC-/CBD-Gehalte der Cannabisblüten von Spektrum Cannabis

Sorte

Gehalt THC

Gehalt CBD

Green No. 3 (Hybrid)

ca. 8,1 %

ca. 11,7 %

Red No. 2 (Sativa)

18,8 %

0,5 %

Red No. 4 (Indica)

21,7 %

0,5 %

Orange No. 1 (Indica)

ca. 13,6 %

0,5 %

Cannabisblüten des kanadischen Herstellers Aurora werden von Pedanios importiert

Tabelle 4. THC-/CBD-Gehalte der Cannabisblüten des kanadischen Herstellers Aurora

Sorte

Gehalt THC

Gehalt CBD

Pedanios 22/1 (Sativa)

ca. 22 %

< 1 %

Pedanios 20/1 (Indica)

21,5 %

0,2 %

Pedanios 18/1

18 %

< 1 %

Pedanios 16/1

16 %

< 1 %

Pedanios 14/1

14 %

< 1 %

Pedanios 8/8

ca. 8 %

ca. 8 %

Aurora 1/12

< 1 %

ca. 12 %

Cannabisblüten des kanadischen Herstellers Aurora werden von Pedanios importiert

Tabelle 5. THC-/CBD-Gehalt der Cannabisblüten des kanadischen Herstellers Aurora

Klenk 18/1

20,5 %

<0,1 %

Cannabisblüten des kanadischen Herstellers Peace Naturals werden von Pohl-Boskamp importiert

Tabelle 6. THC-/CBD-Gehalte der Cannabisblüten des kanadischen Herstellers Peace Naturals

Peace Naturals 20/1

ca. 20%

< 1%

Peace Naturals 18/1

16,6%

0,3%

Peace Naturals 16/1

15,7%

0,3%

Peace Naturals 14/1

14,3%

0,3%

Cannabisblüten des US-Herstellers Tilray werden von Paesel & Lorei GmbH & Co. KG importiert

Tabelle 7. THC-/CBD-Gehalte der Cannabisblüten des Amerikanischen Herstellers Tilray

TILRAY THC25

Ca. 25 %

<1 %

TILRAY THC10:CBD10

10 %

10 %

2.1 Variabilität von der Zusammensetzung von Medizinalcannabisblüten *

Bei Medizinalcannabisblüten handelt es sich um ein Naturprodukt, dessen Konzentration der Inhaltsstoffe von Blüte zu Blüte schwankt. Ändert sich die Genetik der Mutterpflanze, so ändern sich auch die Konzentrationen der Inhaltsstoffe. Der Gesetzesgeber gesteht den Importeuren bzw. Herstellern eine Schwankung der Werte in engen Grenzen zu, und es gibt auch Sondergenehmigungen für leicht darüber hinaus abweichende Chargen. Leider sind die Importeure nicht dazu verpflichtet worden, die einzelnen Varietäten der Sorten bekannt zu geben, sodass sich hinter den gleichen Sortennamen für Medizinalcannabisblüten verschiedene Varietäten mit unterschiedlicher Genetik verbergen können. Der einzige Hersteller, der alle Inhaltsstoffe bekannt gibt, ist MedReleaf, welche in Deutschland exklusiv durch Cannamedical vertrieben werden. Und nur wenige Importeure geben einen Wechsel der Varietät bekannt. […]

Quelle: Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin

Cannabis-Konsum vor 2500 Jahren

Cannabis-Konsum vor 2500 Jahren

Welt, 13.6.2019

Hanfpflanzen wurden schon vor Jahrtausenden angepflanzt, um daraus Öle oder Stoffe herzustellen. Aber seit wann berauschen sich Menschen an Cannabis? Hinweise darauf liefert eine aktuelle Studie.

Peking/Jena (dpa) – Zu den bis heute beliebtesten psychoaktiven Drogen gehört Cannabis – und dieses wurde bereits vor 2500 Jahren in China geraucht. Das besagt zumindest eine aktuelle Studie, deren Ergebnisse im Fachblatt «Science Advances» veröffentlicht wurden.
Wie Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts (MPI) für Menschheitsgeschichte in Jena, der Chinesischen Akademie der Wissenschaften sowie der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften (beide Peking) herausfanden, wurden Hanf-Pflanzen im Rahmen von Begräbnisritualen verbrannt und dabei bewusst solche, die besonders berauschend wirkten.

Schon mindestens 3500 vor Christus wurden Hanfpflanzen (Cannabis) in Ostasien angebaut, um Öle aus ihren Samen und Seile oder Stoffe aus ihren Fasern herzustellen. Seit wann Menschen allerdings bekannt ist, dass bestimmte Bestandteile der Pflanze psychoaktive Substanzen enthalten, war lange unklar. Einen der wenigen Hinweise lieferte der antike griechische Geschichtsschreiber Herodot, der um das Jahr 450 vor Christus lebte und in seinen «Historien» von den Skythen berichtete, einem Nomadenvolk aus dem heutigen Südrussland, das sich am Dampf von erhitztem Cannabis berauscht habe.

Für diesen Rausch verantwortlich ist Tetrahydrocannabinol (THC), welches in getrockneten Cannabis-Blättern, Blüten und Blütenständen vorkommt. Früh kultivierte Hanf-Sorten sowie die meisten Wildbestände haben einen eher geringen THC-Anteil, während dieser bei speziell für die Haschisch- oder Marihuana-Produktion gezüchteten Pflanzen seit Jahren steigt.

Dass der THC-Anteil Cannabis-Konsumenten schon vor 2500 Jahren wichtig war, legt nun die Untersuchung von über zehn hölzernen Räuchergefäßen nahe, die im östlichen Teil des Pamirgebirges in China gefunden wurden. Als die Wissenschaftler versuchten, deren Funktionsweise festzustellen, entdeckten sie überraschenderweise Verbindungen, deren chemische Signatur genau der von Cannabis entsprach. Und mehr noch: Die Daten belegten, dass die Menschen damals Cannabissorten mit einem höheren THC-Gehalt verbrannten. Nicht festgestellt werden konnte indes, ob die Menschen jene Sorten selbst anbauten oder gezielt sammelten. Auch ob und wie sie den Rauch genau inhalierten geht aus der Studie nicht hervor.

Die Räuchergefäße stammten von der Begräbnisstätte Jirzankal, die sich im ostchinesischen Teil des Pamirgebirges befindet. Während jene hoch gelegenen Bergpässe heute eher abgelegen sind, scheinen sie früher auf einer der Hauptrouten der Seidenstraße gelegen zu haben. Das deuten zumindest manche der geborgenen Artefakte an, welche Spuren von Kulturen anderer Regionen, vor allem aus Zentralasien enthielten. Zudem belegten einige der menschlichen Überreste, dass nicht alle dort gestorbenen Menschen auch vor Ort aufgewachsen waren.

«Die Austauschrouten der frühen Seidenstraße funktionierten eher wie die Speichen eines Wagenrads als wie eine Fernstraße und rückten Zentralasien in den Mittelpunkt der damaligen Welt», erklärt Robert Spengler, leitender Archäobotaniker der Studie laut Mitteilung vom MPI für Menschheitsgeschichte: «Unsere Studie impliziert, dass das Wissen über das Rauchen von Cannabis und spezifische Cannabissorten mit hohem Wirkstoffgehalt zu den kulturellen Traditionen gehören, die sich entlang dieser Routen ausbreiteten.»
Vermutlich verbrannten die Menschen von Jirzankal Cannabis bei Ritualen zum Gedenken an ihre Toten, die sie in Gräbern vergruben, über denen sie kreisförmige Hügel, Steinringe und Streifenmuster aus schwarzen und weißen Steinen schufen. Die Autoren der Studie mutmaßen, dass die Hanfpflanzen geraucht wurden, um mit den Toten oder göttlichen Mächten in Kontakt zu treten. 

Heute wird Cannabis vor allem als Freizeitdroge oder zu medizinischen Zwecken genutzt. Rund um den Globus wird dabei über seine Risiken diskutiert, nicht nur wegen der Gefahr der Abhängigkeit, sondern auch wegen möglicher psychischer Langzeitfolgen. Nichtsdestotrotz ist Cannabis weltweit die am häufigsten konsumierte illegale Substanz, die Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge von 125 bis 227 Millionen Menschen genommen wird.

In Deutschland haben rund sieben Prozent der 18- bis 59-jährigen 2018 Cannabis konsumiert, so der Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung des vergangenen Jahres. Und auch hier gibt es Befürworter einer Legalisierung, wie sie etwa in Kanada, den Niederlanden, einigen US-amerikanischen Bundesstaaten und Spanien unter bestimmten Auflagen schon gilt. In Deutschland ist Cannabis nur für Schmerzpatienten mit Rezept erlaubt. Für alle anderen sind Anbau, Verkauf oder Besitz verboten.

Die derzeitigen politischen Debatten, wie sie nicht nur in Deutschland geführt werden, können durch archäologische Untersuchungen wie ihre ergänzt werden, so die Hoffnung der Autoren. «Die modernen Sichtweisen auf Cannabis variieren kulturübergreifend enorm, aber es ist klar, dass die Pflanze über Jahrtausende hinweg durch den Menschen genutzt wurde, sei es medizinisch, rituell oder zur Entspannung», sagt Archäobotaniker Spengler.

Welt, 13.6.2019

Welcher Hanf macht high und wo sind die Unterschiede?​

Welcher Hanf macht high und wo sind die Unterschiede?

Tetrahydrocannabinol macht high aber ist nicht allein für die Wirkung verantwortlich. Ganz kurz und knapp: THC oder das Tetrahydrocannabinol macht high. 

Ob beim Essen, Rauchen, als Darmzäpfen oder in Fertigarzneimitteln durch die Venen. Aber es ist nicht alleinig für die Qualität vom Rauch zuständig. Dieses und andere Cannabinoide werden erst mit der Blüte und zwar zum Großteil in diesen Blüten produziert. Faserhanf blüht auch, warum macht er nicht high? Weil er so gezüchtet wurde! Einst gab es auch in Europa Faserhanf mit milder Rauschwirkung. Derzeit wird er einfach nicht mehr angebaut. Wer eine Rauschwirkung wünscht, kann besser potenten Hanf anbauen. Welcher Hanf macht high? Potenter Hanf! Einst galt, dass es der indische Hanf ist, der high macht. Das liegt jedoch daran, dass aus den Regionen mit potenten Hanf die Importe dennoch nur aus Indien kamen.

Dann wurde es verboten und mit dem Pflanzen-Kunstlicht begann man das gezielte Züchten potenter Hanfsorten. Dabei gingen einige Ur-Sorten bereits verloren und Kritiker verwenden den Begriff der „Überzüchtung“ und vom „Kommerzgras“.

Welcher Hanf macht high, higher am highesten?

Das THC ist entscheidend, damit ein High einsetzt. Viele andere Cannabinoide und Terpene lenken dieses High. Dronabinol enthält als Fertigarznei nur THC als Wirkstoff. Wer dieses in hoher Konzentration einnimmt, wird es vermutlich als unangenehm empfinden. In hohen Konzentrationen sollte neben dem THC auch immer etwas CBD enthalten sein, weil dieses das High puffert und somit angenehmer macht. Viele Kommerzgräser haben kaum noch CBD und werden von vielen Kiffern als sehr unangenehm empfunden. Genau wie das CBD, Cannabinol, haben auch andere Cannabinoide und Terpene sehr wichtige Eigenschaften für das High oder auch die medizinische Wirkung. In jeder Pflanze sind diese „Zutaten“ vorhanden aber in ganz anderer Zusammensetzung. Das bedeutet, dass man sich wirklich „durchtesten“ sollte.

Es gibt jedoch ganz simple Schwerpunkte, die sich als Indica, Sativa und Haze erklären lassen. Welcher Hanf macht high und drückt ins Sofa? Indica. Welcher Hanf macht high und belebt? Sativa. Welcher Hanf macht high und wirkt ähnlich wie LSD? Haze. Das Haze ist jedoch eine Sativaeigenschaft, die sehr lange Blütezeiten und geringe Erträge mit bringt. Das bedeutet, dass ein Kommerzgrower kaum ein ursprüngliches Haze anbaut sondern höchstens Kreuzungen, in denen Sativa mit Haze Charakter einfließt. Diese sollen jedoch kein Vergleich zu einem richtigen Haze sein, welches für die Blüte ca. ein halbes Jahr bräuchte.

Es gibt bereits Seedbanks, die zu ihren Strains erklären, für welche Erkrankungen diese eingesetzt werden können. Dass die Seedbanks Aussagen zur Wirkung machen, ist seit Jahrzehnten der Fall. Man kann sich jedoch immer ganz grob an Indica, Sativa und Haze orientieren. Viele Züchtungen wollen aus allem die positiven Eigenschaften reinbringen und haben dann z.B. 40% Indica, 60% Sativa mit Haze Anteil.

Die Kifferpranoia kann man praktisch auf empfindliche Personen kombiniert mit hohen THC Konzentrationen zurückführen. Wer diese Kifferparanoia erlebt, sollte ein Marihuana wählen, welches ein paar Prozent CBD enthält. Zudem könnte das Haze oder auch Sativa schlimmer empfunden werden, als das Indica, bei dem man besser „abstumpfen und entspannen“ kann. Dann wird man den Hanf dank CBD möglicherweise neu entdecken. Dennoch hilft nur ein Testen da jeder auf andere Strains abfährt. Welcher Hanf macht high und ist angenehm? Ausprobieren!

Zitiert aus Hanf-Magazin 10. Januar 2016

Je stärker das Cannabis in einer Stadt, desto häufiger sind Psychosen

Je stärker das Cannabis in einer Stadt, desto häufiger sind Psychosen

Spiegel online, 20.3.2019

Cannabis enthält heute deutlich mehr THC als früher. Das könnte sich auf die psychische Gesundheit der Konsumenten auswirken, vermuten Forscher. In Städten wie Amsterdam stellen sie besonders viele Psychosen fest.

Kanada, mehrere US-Bundesstaaten, Südafrika und Uruguay: Immer mehr Länder verabschieden sich von der Cannabis-Prohibition. Kritiker warnen, durch die Legalisierung stiegen die Gesundheitsrisiken. In diese Richtung weist auch eine aktuelle Studie: Je stärker das in einer Stadt kursierende Cannabis ist, desto häufiger werden dort Psychosen diagnostiziert, berichten Forscher im Fachblatt „Lancet Psychiatry“.

Für die Studie hatten die Forscher Daten aus elf europäischen Ländern ausgewertet. Am deutlichsten zeige sich der Effekt in London und Amsterdam, wo Cannabis mit hohem Gehalt an psychoaktivem Tetrahydrocannabinol (THC) weit verbreitet ist.

Setze man voraus, dass Cannabis-Konsum tatsächlich für Psychosen verantwortlich ist, lassen sich in Amsterdam geschätzt die Hälfte aller neu diagnostizierten Psychosen auf den täglichen Konsum von starkem Cannabis zurückführen, in London etwa ein Drittel. Als stark bezeichneten die Forscher Cannabis mit einem Gehalt von mehr als zehn Prozent THC.

Den eindeutigen Nachweis, dass Cannabis Psychosen begünstigt, kann die Studie allerdings nicht liefern. Die Forscher haben lediglich einen statistischen Zusammenhang beobachtet, aber keine Ursache-Wirkung-Beziehung, sagt Suzanne Gage von der University of Liverpool, die nicht an der Studie beteiligt war. Zwar gibt es eine Korrelation zwischen dem Cannabis-Konsum in einer Stadt und einer höheren Zahl von Psychosen – ob diese aber tatsächlich auf die Verwendung der Droge oder aber andere, noch unbekannte Faktoren zurückzuführen ist, bleibt letztlich unklar.

„Legalisierung hat verheerende Folgen“

Dennoch gebe die Studie Anlass, die Aufklärung über das Psychoserisiko zu intensivieren, sagt Rainer Thomasius, ärztlicher Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ) am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) in Hamburg. „Die Studie ist ein weiterer Beleg dafür, dass eine Legalisierung von Cannabis in gesundheitspolitischer Hinsicht verheerende Folgen hat.“

In die Erhebung einbezogen wurden neben London und Amsterdam auch Cambridge (Großbritannien), Gouda und Voorhout (Niederlande), Paris und Puy de Dôme (Frankreich), Madrid und Barcelona (Spanien) sowie Bologna und Palermo (Italien). Deutsche Städte waren nicht dabei.

Die Ergebnisse der Untersuchung seien aber auf Deutschland übertragbar, sagt der Hamburger Experte Thomasius, der selbst nicht an der Analyse beteiligt war. Laut Drogen- und Suchtbericht 2018 liege der THC-Gehalt hierzulande im Mittel für Haschisch bei fast 15 Prozent und für Blütenstände der Hanfpflanze bei gut 13 Prozent. Laut Schätzungen haben knapp neun Prozent der 12- bis 17-Jährigen in Deutschland mindestens ein Mal im Leben Cannabis konsumiert.

Für die aktuelle Analyse schätzten die Forscher um Marta Di Forti vom King’s College London die Häufigkeit von Psychosen in den jeweiligen Städten. Die Daten stammen von den regionalen Gesundheitsbehörden. Ausgewertet wurden alle Psychosen, die zwischen 2010 und 2015 erstmals bei Patienten diagnostiziert wurden. Die Daten verglichen die Forscher mit einer repräsentativen Kontrollgruppe aus der jeweiligen Stadt. Erfasst wurden dabei unter anderem Angaben zum Konsum von Cannabis und anderen Drogen.

Fast 30 Prozent der Menschen mit diagnostizierter Psychose gaben an, täglich Cannabis konsumiert zu haben, in der Kontrollgruppe waren es knapp sieben Prozent. Von den Konsumenten mit Psychose gaben weitaus mehr (37 Prozent) Nutzer an, starkes Cannabis zu verwenden, als in der Kontrollgruppe (19 Prozent).

THC-Gehalt bis zu 67 Prozent

Im Mittel der elf europäischen Städte ergab sich ein geschätzt dreimal so hohes Risiko für eine Psychose bei Menschen mit täglichem Cannabis-Konsum, bei Verwendung von Produkten mit hohem THC-Gehalt sogar ein bis zu fünf Mal höheres verglichen mit Menschen, die nie Cannabis konsumierten. Einer von fünf Psychosefällen sei im Mittel auf täglichen Cannabis-Konsum zurückzuführen, schätzen die Forscher.

Anders als früher enthalten heutige Züchtungen oft deutlich höhere Mengen des berauschenden Wirkstoffs THC. Eine Ende Dezember veröffentlichte Studie zu Daten aus der EU, Norwegen und der Türkei kam zu dem Schluss, dass sich der durchschnittliche THC-Gehalt bei Marihuana und Haschisch von 2006 bis 2016 ungefähr verdoppelt hat. Konsumenten rauchen aber häufig eine ähnliche Menge Cannabis wie zuvor – und nehmen somit weitaus mehr THC auf als ein Nutzer einst.

Der THC-Gehalt liegt laut der Studie in niederländischen Sorten wie Nederwiet bei bis zu 22 Prozent, bei Nederhasj sogar bei bis zu 67 Prozent. In London dominiert demnach Cannabis mit einem mittleren THC-Gehalt von 14 Prozent. In Ländern wie Italien, Frankreich und Spanien hingegen würden vor allem Cannabis-Sorten mit einem THC-Gehalt von weniger als 10 Prozent konsumiert.

Gäbe es kein Cannabis mit hohem THC-Gehalt mehr, würden der Hochrechnung zufolge die Psychoseraten in Amsterdam von fast 38 auf knapp 19 Fälle je 100.000 Einwohner jährlich fallen, in London von fast 46 auf knapp 32 Fälle.

Angst und Depressionen?

Die aktuelle Studie hat jedoch auch Schwächen. Die Information, ob und wie viel Cannabis die Probanden konsumierten, ist nur durch deren eigene Angaben bekannt. Urin-, Blut- oder Haaranalysen gab es nicht. Zudem berücksichtigten die Forscher nur den THC-Gehalt, nicht den Gehalt an Cannabidiol (CBD). CBD gilt als kaum psychoaktiv.

Dass einige Menschen infolge von täglichem Cannabis-Konsum mit hohem THC-Gehalt ein höheres Risiko für Psychosen entwickeln, hätten Analysen allerdings schon mehrfach gezeigt, führt Gage weiter aus. Vor dem Hintergrund, dass der Konsum derzeit zunehmend legalisiert oder zumindest toleriert werde und die Zahl von Konsumenten daher wahrscheinlich steige, sei es wichtig zu klären, welche Menschen ein höheres Risiko haben.

Experten warnen schon seit Längerem davor, die Risiken des Cannabis-Konsums zu unterschätzen. Laut einer Studie aus dem Jahr 2015 haben Menschen, die regelmäßig THC-reiches Cannabis konsumieren, ein erhöhtes Risiko für Psychosen. Bei THC-armem Cannabis konnte der Effekt nicht beobachtet werden, selbst bei täglichem Konsum.

Zudem sind Psychosen nicht die einzigen möglichen Folgen des Cannabiskonsums. „Die vorliegende Studie konzentriert sich auf die Inzidenz von Psychosen“, sagt Ursula Havemann-Reinecke von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen. Interessant wären auch Daten zu anderen psychischen Problemen wie Angst und depressiven Störungen. Die Analyse zeige wie viele andere Studien jedenfalls deutlich, dass Cannabis keine harmlose Substanz ist. „Cannabis sollte nicht so einfach legalisiert und von der Wirtschaft reguliert werden.“

Zusammengefasst: Laut einer aktuellen Studie gibt es in Städten, in denen Cannabis mit hohem THC-Gehalt kursiert, mehr Psychosen. Ob diese tatsächlich auf die Verwendung der Droge oder auf andere Faktoren zurückzuführen ist, bleibt aber unklar. Auch vorherige Beobachtungsstudien hatten gezeigt, dass es einen statistischen Zusammenhang zwischen THC-reichem Cannabis und Psychosen gibt.

Spiegel online, 20.3.2019