Über uns

Als inhabergeführtes Verlagsunternehmen Dr. Brahms Medien blicken wir auf eine lange Tradition zurück. Unsere verlegerischen Wurzeln reichen bis zum Anfang des letzten Jahrhunderts zurück, damals war der Urgroßvater u.a. an der Herausgabe einer Tageszeitung und Leipzig beteiligt. Vielen von Euch sind wir noch als Herausgeber der Zeitschrift HANF! in den 90er Jahren bekannt.

Neue Plattform rund um Hanf als Medizin und Genussmittel

Von Katja Rußhardt, veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe von „Der Sonntag“ Freiburg vom Sonntag, 14. Oktober 2018

Hanf macht derzeit nicht nur mit seiner medizinischen Wirkung Schlagzeilen, sondern auch als gesundes Lifestyle-Produkt. Peter Nauert und Tatjana Brahms aus Breisach waren Verleger des im Jahr 2001 eingestellten Magazins Hanf! und wollen mit ihrer Online-Plattform auf den steigenden Informationsbedarf reagieren.
Helmut Kohl war auf dem Cover der Erstausgabe des Magazins Hanf!. Als Karikatur, genüsslich einen kräftigen Zug aus einer riesigen Tüte inhalierend. Die Headline: „Hasch. Deutsche wollen Legalisierung“. Im April 1995 war das und die Hanf! -Gründer Peter Nauert und Tatjana Brahms erinnern sich noch gut daran, dass der Alt-Bundeskanzler das Blatt damals „wegen angeblicher Desorientierung der Jugend“ auf den Index setzen wollte. Doch er scheiterte mit seinem Antrag und das „Zentralorgan für Kiffer“ ( Focus ) lag weiter in einer Auflage von 80 000 Exemplaren im Zeitschriftenhandel. Auch mit der medizinischen Wirkung der Pflanze beschäftigte sich Hanf! unter der Schlagzeile „Haschisch aus der Apotheke?“ in einer frühen Ausgabe. „Es lag uns schon damals am Herzen, dass medizinisches Marihuana straffrei über Apotheken auf Rezept zu erhalten ist. Fast hundert medizinische Wirkstoffe waren da schon bekannt“, erklärt Tatjana Brahms.

Als das Redaktionsteam mit der journalistischen Berichterstattung begann, habe „eine totale Aufbruchsstimmung“ geherrscht, auf die eine gewisse Ernüchterung folgte, weil sich in der Politik nichts bewegte, sagt Brahms. Doch mit der Legalisierung von Cannabis in Uruguay, Colorado, Washington DC und Anfang des Jahres auch in Kalifornien und Kanada sei „eine Art Dominoeffekt“ eingetreten. Seit der deutsche Gesetzgeber im April 2017 die Abgabe von Cannabisblüten an Schwerstkranke in Apotheken erlaubte, ist Cannabis auch hierzulande vermehrt im Gespräch. Schmerzlindernd und krampflösend wirkt neben dem psychoaktiven Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) auch das nicht berauschende Cannabidiol (CBD).

Aktuell haben rund 25 000 Patienten in Deutschland Zugang zu Cannabis aus der Apotheke. Da der Anbau in Deutschland jedoch noch nicht geregelt ist, sind sie auf Importware aus Kanada und den Niederlanden angewiesen. Der Bedarf an medizinischem Cannabis hierzulande wächst stetig und die beantragten Importmengen steigen. Allein von September 2017 bis März 2018 wurden in Deutschland Importanträge für eine Menge von mehr als 13 000 Kilogramm Cannabis genehmigt. Einer der Importeure von Medical Marihuana aus Kanada ist die Firma Spectrum Cannabis aus dem badischen St. Leon-Roth. Sie ist eine Tochtergesellschaft der börsennotierten Canopy Growth Corporation aus Kanada. Der Konzern war unlängst durch eine Kooperation mit Constellation Brands, größter Anbieter von Alkohol in den Vereinigten Staaten, in den Schlagzeilen. „Die Konzerne entdecken Hanf zunehmend als Genussmittel“, erklärt Tatjana Brahms.

Das ist auch am wachsenden Angebot von Lebensmitteln aus Hanf und der steigenden Zahl von Hanf-Läden zu sehen: „Hanf ist voller wertvoller Nährstoffe und schmeckt dazu noch richtig gut“, sagt Nicole Nocke, die in „Kavatza“, ihrem im August eröffneten Laden in Freiburg, in Kürze auch Hanf-Tapas und Hanf-Brot anbietet. Dass Kunden immer noch fragen, ob man von Kaffee mit Hanfsamen high werden könne, zeige, wie hoch der Informationsbedarf nach wie vor ist, sagt Nocke. Denn diese Produkte sind frei von THC.

Das finden auch Peter Nauert und Tatjana Brahms, die mit ihrer Homepage hanf-kompass.com nicht nur Schwerstkranken sachliche Orientierungshilfe geben wollen. „Das Ziel sollte jedoch die vollständige Legalisierung und Entkriminalisierung von Hanf sein“, wünschen sich die Online-Autoren. Eine Haltung, die Suchtberater wie Marco Chiriatti von der Emmendinger Jugend- und Drogenberatungsstelle „Emma“ nicht uneingeschränkt teilen können. Denn dass das in Genuss-Cannabis enthaltene THC bei missbräuchlicher Anwendung vor allem für Jugendliche schädlich sein kann, ist
längst erwiesen.

Der Freiburger Rechtsanwalt Sebastian Glathe, vor 23 Jahren juristischer Ratgeber im Magazin Hanf! , sieht durch die medizinische Anwendung von Cannabis eine Aufwertung und höhere gesellschaftliche Akzeptanz der Pflanze: „Wenn wir dadurch weitere Erkenntnisse über deren Wirkungsweise erhalten, rückt Cannabis auch heraus aus der Schmuddel-Ecke“, sagt er. Aus rechtlicher Sicht ist der Fall verzwickt: Während man etwa die immer beliebter werdenden CBD-Öle in Deutschland problemlos erwerben und konsumieren kann, weil sie eine sehr niedrige Konzentration des Wirkstoffs THC enthalten, muss man bei anderen Produkten Vorsicht walten lassen, wie Glathe mit Blick in die Schweiz warnt: Die Hanf-Zigaretten, die dort seit einem Jahr frei verkäuflich sind, enthalten neben bis zu 20 Prozent CBD zwar nur den erlaubten Anteil von bis zu 1 Prozent THC, doch ihre Einfuhr ist strafbar, so Glathe: „Wer in Deutschland mit Hanf-Zigaretten erwischt wird, bekommt ein Problem.“